„Die Spuren der Zeit erhalten“

Ein außergewöhnliches FSJ in der Restaurierungswerkstatt der Museen des Märkischen Kreises

Karay Klenner (links) und Holger Lüders bei der Arbeit an einem hundert Jahre alten Stuhl. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Karay Klenner (links) und Holger Lüders bei der Arbeit an einem hundert Jahre alten Stuhl. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 14.11.2018

Wo bei anderen der Computer oder Laptop auf dem Schreibtisch steht, steht bei Karay Klenner ein hundert Jahre alter Stuhl – und ihr Arbeitsplatz ist eine Werkbank. Die gebürtige Altenaerin macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Restaurierungswerkstatt der Museen des Märkischen Kreises. Der Stuhl aus dem Jahr 1915 wird sonst in der alten Jugendherberge auf der Burg Altena genutzt und soll wieder alltagstauglich gemacht werden. Dafür kommt er in die Werkstatt im Deutschen Drahtmuseum. Sie wird von Holger Lüders geleitet, dem Restaurator und Konservator der Museen des Märkischen Kreises.
„Bei der Arbeit mit alten Stücken muss darauf geachtet werden, dass die normalen Spuren der Zeit erhalten bleiben, um die Geschichte des Stücks nicht zu verfälschen“, erzählt Holger Lüders über den Beruf. Nach dem Motto „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“ reagieren er und seine Mitarbeiter auf jedes Stück neu und wählen die Materialien für die Reparatur gemäß der Zeit aus der sie stammen. „Das Ziel ist es immer, dass die Stücke authentisch aussehen“, so Lüders.
Er durfte bereits 14 FSJlerinnen und FSJler bei sich begrüßen. Besonders freut er sich dieses Mal, dass mit Karay Klenner jemand aus dem Märkischen Kreis bei ihm ist. „Wir wollen mit dem FSJ einen Einblick in unsere Arbeit geben und den Blick fürs Detail und für die Denkmalpflege schulen,“ berichtet er. Bei Karay funktioniert das bereits: Durch die begleitenden FSJ-Seminare mit Themen wie Baustilkunde oder Denkmalschutz kann sie „nicht mehr durch die Stadt gehen, ohne auf alte Häuser oder Denkmäler aufmerksam zu werden.“ Nach dem FSJ möchte sie gerne Restaurierung und Konservierung studieren.
Die 19-Jährige hat die Werkstatt bereits im Rahmen eines Schülerpraktikums in der neunten Klasse kennengelernt. Sie wollte nach ihrem Abitur am Burggymnasium in Altena gerne „etwas Handwerkliches und Außergewöhnliches“ machen. Daher entschied sie sich für das FSJ in der Denkmalpflege, welches über die Jugendbauhütten angeboten wird. Die Jugendbauhütten sind ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste e.V.
Zufrieden berichtet die FSJlerin, dass sie „bereits viel selber machen darf.“ Begeistert beschäftigt sie sich mit der Restaurierung einer 500 Jahre alten Brieflade: „Während den Arbeiten an der Lade haben wir alte Papierreste gefunden. Daher mussten wir sie zunächst an einen speziellen Restaurator für Papier in Köln geben. Vielleicht finden wir so etwas Spannendes über die Herkunft heraus.“ Neben der Säuberung, Erhaltung und Reparatur von Stücken der Museen des Märkischen Kreises erhält die Werkstatt auch Aufträge von Privatpersonen.
Bei der Gestaltung der aktuellen Sonderausstellung „Rauf aufs Rad“, im Deutschen Drahtmuseum und in den Ausstellungsräumen der Burg Altena, war Karay Klenner ebenfalls eingebunden. Außerdem sorgt sie mit anderen FSJlern in den Museen des Märkischen Kreises auch für das sogenannte „Objekt des Monats“. Möglicherweise taucht dort auch in naher Zukunft die antike Brieflade auf.

Holger Lüders (rechts) ist sehr zufrieden mit der Arbeit seiner FSJlerin in der Restaurierungswerkstatt. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Holger Lüders (rechts) ist sehr zufrieden mit der Arbeit seiner FSJlerin in der Restaurierungswerkstatt. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 14.11.2018