Eigenes mit der Natur schaffen

Lasse, Joel, Tibo und Julius (von links) haben viel Spaß bei der Arbeit am sogenannten Schneidesel. Foto: Bernadette Lange/Märkischer Kreis
Lasse, Joel, Tibo und Julius (von links) haben viel Spaß bei der Arbeit am sogenannten Schneidesel. Foto: Bernadette Lange/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 03.05.2019
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Wo gehobelt wird, fallen Späne – und auch wo gesägt, geschnitzt oder gedechselt wird. Vor allem, wenn Michael Heuberger mit seinem „Grünholzmobil“ Station macht. Der gebürtige Bayer hat sein großes Werkstatt-Zelt an der Luisenhütte in Balve aufgebaut und bietet Workshops zum Thema Holzbearbeitung an. Morgens toben sich Schulklassen am frischen Holz aus. Am Nachmittag sitzen dann pädagogische Kräfte und Lehrer im „Schnitzkreis“. In der Mitte des Kreises liegen zahlreiche Messer in verschiedensten Formen und Längen. Michael zeigt den Kindern und Erwachsenen wie sie richtig – möglichst ohne sich zu schneiden – mit dem Schnitz- oder Ziehmesser umgehen, wie sie eine Axt richtig führen oder einen Baumstamm aushöhlen.
Neben dem Zelt hat er einige Beispielstücke aufgebaut: Holzschüsseln, Löffel und Flöten. Dann lädt er ein, selbst tätig zu werden. Christian Riedel, Lehrer am Berufskolleg in Iserlohn, wagt sich an eine Schüssel. Zuerst sägt er den Stamm zurecht. Danach wird er gespalten. Beim Dechseln muss Riedel einiges an Kraft aufbringen bis er die Form einer Schüssel erreicht hat. Der Feinschliff benötigt ein rundes Messer und viel Geduld, um das Innere gleichmäßig auszuhöhlen.
Nach einem halben Tag ist der Boden übersät mit vielen groben und feinen Spänen. Der Duft von frisch geschlagenem Holz liegt in der Luft. Und nur eine Schnittwunde ist bisher zu beklagen. Natürlich liegen Pflaster immer in Griffweite. Michael Heuberger berichtet, dass Kinder großen Respekt vor den Messern haben und sich oft unerwartet verantwortungsvoll im Umgang mit den scharfen Klingen zeigen. Wichtig ist ihm naturbezogene Pädagogik: „Es ist toll, den Kindern zu zeigen wie sie mit der Natur und wenig Werkzeug etwas Eigenes gestalten können. Viele lernen zum ersten Mal selber was herzustellen. Das ist ungeheuer wertvoll.“ Seit 2011 ist er mit seinem Mobil hauptberuflich unterwegs.
Sonja Langenohl von der Förderschule aus Lüdenscheid hat sich für einen geschnitzten Löffel entschieden. Sie ist „erstaunt, wie einfach es doch geht“. Sie hofft, dass sie irgendwann ihren Schülern etwas weitergeben kann. In der Abschlussrunde – die Uhr zeigt mittlerweile fünf Uhr – sind alle erstaunt, dass sie die Zeit vergessen haben. Die 16 Teilnehmer freuen sich das Gelernte weiterzugeben – auch privat. Michael Heuberger ist gespannt auf den nächsten Tag. Dann hat er wieder Schulklassen auf den Schnitzbänken zu Gast. Insgesamt konnte er an den zwei Tagen rund 100 Kinder betreuen.
Die Workshops finden auf Einladung des Märkischen Kreises und des Naturpark Sauerland-Rothaargebirge statt. Auch bei der Saisoneröffnung der Luisenhütte sind alle herzlich eingeladen, sich bei der Holzbearbeitung auszuprobieren. Danach bricht Michael seine Zelte wieder ab. Sein nächster Halt ist in Österreich.

Michael Neuberger zeigt den Teilnehmern das richtige Werkzeug und gibt ihnen die Regeln mit, wie sie sicher arbeiten. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Michael Neuberger zeigt den Teilnehmern das richtige Werkzeug und gibt ihnen die Regeln mit, wie sie sicher arbeiten. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Von groben Schnitten mit schwererem Werkzeug bis hin zu feinen Schnitten - für jeden etwas dabei. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Von groben Schnitten mit schwererem Werkzeug bis hin zu feinen Schnitten - für jeden etwas dabei. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 03.05.2019