Von „Spuckfabrik“ und „Kauwerkzeugen“

Mit dem Zahnärztlichen Dienst auf Schulbesuch

An verschiedenen Stationen lernen die Kinder der zweiten Klasse das Gebiss kennen. Hier müssen Julian und Oskar die Zähne richtig anordnen. Foto:Mathis Schneider/Märkischer Kreis
An verschiedenen Stationen lernen die Kinder der zweiten Klasse das Gebiss kennen. Hier müssen Julian und Oskar die Zähne richtig anordnen. Foto:Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 27.06.2019
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Schneidezähne fallen auf den Boden. Schnell sammeln eifrige Kinderhände die Beißer wieder ein. Verletzt ist allerdings niemand. Die Szene spielt sich in der Grundschule Iserlohn-Sümmern ab. Die Zähne liegen nicht etwa als Folge von Aggressionen auf dem Boden, sondern weil der Zahnärztliche Dienst des Märkischen Kreises im Haus ist. Die Jungen und Mädchen sollen die Plastik-Beißer in einem Mund aus Knete selber anordnen und so den Aufbau des Gebisses sowie Funktion der verschiedenen Zähne lernen.
Heike Meinken ist seit 33 Jahren als Prophylaxe-Beraterin in Schulen und Kindergärten unterwegs, um dem Nachwuchs zu erklären, wie sie ihre „Kauwerkzeuge“ richtig pflegen. Das Lachen geht ihr dabei selbst nur selten aus dem Gesicht. Heute ist sie bei einer zweiten Klasse zu Gast. Viele Schülerinnen und Schüler erkennen Heike wieder: „Hey, du warst doch schon im Kindergarten bei uns. Hast du deine Puppen wieder mitgebracht?“ Manche Kinder begleitet sie mit ihren jährlichen Besuchen vom Kindergarten bis in die vierte Klasse. Die Puppen sind für die Zweitklässler allerdings nicht mehr dabei. Es wird spielerisch das Gebiss erkundet.
Die Kinder lachen herzlich, wenn Heike Meinken von der „Spuckefabrik“ im Mund spricht, oder sie drauf hinweist, dass sie nach dem Besuch vielleicht mehr wissen als ihre Eltern. Nach einer kurzen Einleitung lässt sie die Jungen und Mädchen auf die verschiedenen Stationen los, die sie vorher aufgebaut hat. An einer putzt Melina einem übergroßen Gebiss akribisch die Zähne, gibt aber zu: „Ich wusste schon vorher wie das geht.“ Das war auch zu hoffen. Doch die Prophylaxe-Berater erleben auch Kinder, die nicht genau wissen was sie für eine richtige Mundhygiene machen sollten. „Man weiß nie, was für eine Klasse auf einen zukommt. Wir wollen immer auf einer Ebene mit den Kindern agieren.“ Heute klappt es so gut, dass sie sogar die Lösungszettel von den Tischen nimmt: „Das schafft ihr auch ohne, da bin ich mir sicher.“
Julian und Oskar stecken an der anderen Seite des Raumes Zähne in einen Schlauch aus roter Knete. Lange rätseln sie, welcher Zahn wohin kommt. Heike Meinken kommt zu den beiden und erklärt nochmal genau die Unterschiede zwischen den Eckzähnen, „wie sie auch der Tiger hat“ und den flachen Backenzähnen, die „unser Essen zermahlen müssen, bevor es runterrutschen kann.“
An anderen Stationen basteln die Kinder ihr eigenes Merkheft für die neugelernte Putztechnik. Daneben müssen sie die verschiedenen Bewegungen erfühlen und richtig zuordnen. Wer schnell mit allen Stationen durch ist, darf noch Mandalas ausmalen. Nach sehr kurzweiligen zwei Stunden dürfen die Kinder wieder in ihre Klassen, wobei sie jetzt auch schon schulfrei haben; und damit genug Zeit zum Zähneputzen.
Der Zahnärztliche Dienst des Kreises besucht in jedem Schuljahr 228 Kindertagesstätten, 79 Grundschulen und 13 Förderschulen. Dadurch betreuten die Prophylaxe-Beraterinnen um Heike Meinken rund 28.000 Kinder und Jugendliche jedes Jahr. Parallel zu diesem Angebot führen zwei Untersuchungsteams die Zahnärztliche Reihenuntersuchungen im Kreis durch. Dabei wurden über 20.000 Gebisse kontrolliert. Der Zahnärztliche Dienst bietet außerdem Schulungen an, informiert Eltern und ist bei Veranstaltungen für Kinder vor Ort.

Die richtige Putztechnik lernen die Kinder am Riesen-Gebiss. Melina wusste schon vorher wie sie das machen muss. Foto:Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Die richtige Putztechnik lernen die Kinder am Riesen-Gebiss. Melina wusste schon vorher wie sie das machen muss. Foto:Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Heike Meinken ist schon lange an Schulen und Kitas unterwegs. Der Spaß ist ihr dabei nicht abhanden gekommen. Den theoretischen Teil gestaltet sie mit viel Humor und Interaktion mit den Kindern. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Heike Meinken ist schon lange an Schulen und Kitas unterwegs. Der Spaß ist ihr dabei nicht abhanden gekommen. Den theoretischen Teil gestaltet sie mit viel Humor und Interaktion mit den Kindern. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 27.06.2019