Außergewöhnlicher Radsport in Altena

Beim Radball geht es um Balance, Wendigkeit auf dem Fahrrad und natürlich ums Tore schießen. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Beim Radball geht es um Balance, Wendigkeit auf dem Fahrrad und natürlich ums Tore schießen. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 03.07.2019
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Der Ball knallt gegen das Fahrrad. Schon wieder eine Speiche kaputtgegangen. Für Niklas ein Zeichen, dass sein Schuss ziemlich hart war. Er rollt vom Spielfeld und entfernt die verbogene Speiche: „Die kann man später wieder einziehen.“ Niklas ist Mitglied beim RRSV Falke aus Altena – einem Radballverein, gegründet 1925. Fünf Jugendliche fahren in der Turnhalle ihre Runden und spielen sich den kleinen schweren Ball hin und her - Aufwärmübungen. Danach wird an der Balance gefeilt: Die Hände vom Lenker werfen sie sich den Ball zu. Was einfach aussieht, erfordert viel Training und ist für Neulinge nicht zu schaffen. Auf dem Sattel, der über dem Hinterrad liegt, sitzen die Sportler nur ganz selten.


Roland Balkenhol sitzt auf einer Holzbank am Rand der Halle und beobachtet das Training. Der 63-Jährige vertritt heute die Trainerin – seine Tochter. Der Verein, der 13 Mitglieder zählt, lebt vom familiären Zusammenhalt. Viele kommen über ihre Eltern zum Sport. Entstanden ist Radball wohl am Ende des 19. Jahrhundert in Amerika. Nach Deutschland kam der Sport fast zur selben Zeit. 1901 führten zwei Berliner Kunstradfahrer den Sport ein. Beim RRSV in Altena begann die Radball-Abteilung in den 30er Jahren.
Der 20-jährige Jannis spielt seit zwölf Jahren Radball in Altena. Augenscheinlich ohne Mühe hält er aus voller Fahrt an, findet seine Balance und schießt den Ball mit dem Vorderreifen. Dafür muss er das Vorderrad leicht anheben und dann schnell drehen. Er mag den Sport, weil er etwas Besonderes ist: „Vor einen Ball treten kann ja jeder. Aber mit dem Fahrrad ein Tor machen, das muss man erstmal lernen.“ Mit seinem Teampartner spielt er in der Bezirksliga. In NRW gibt es noch 27 Radball-Vereine.
Im Laufe des Abends gehen noch mehrere Speichen zu Bruch. Roland Balkenhol merkt an: „Ein bisschen Zweiradmechaniker muss man hier schon sein.“ Die Radball-Räder haben einen u-förmigen Lenker mit nach oben gebogenen Handgriffen. So ist das Schießen einfacher. Das Fahrrad hat eine starre Nabe, es fährt nur, wenn man auch tritt.
Für die aktuelle Sonderausstellung „Rauf aufs Rad“ auf der Burg und im Deutschen Drahtmuseum in Altena hat der Verein zwei Fahrräder und ein Tor ausgeliehen. Einer der Schwerpunkte in der Ausstellung der Museen des Märkischen Kreises ist der Radsport. Neben Radrennen und Kunstfahren wird auch dem Radball Raum gegeben. Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. Oktober. Am 21. Juli, 18. August und am 15. September finden jeweils um 15 Uhr offene Führungen durch die Ausstellung statt. Weitere Infos unter www.maerkischer-kreis.de.

Die Sonderausstellung "Rauf aufs Rad" wagt einen Blick über den Tellerrand und beschäftigt sich auch mit nicht so bekannten Sportarten. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Die Sonderausstellung "Rauf aufs Rad" wagt einen Blick über den Tellerrand und beschäftigt sich auch mit nicht so bekannten Sportarten. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 03.07.2019