Kindern ein Zuhause geben

Silke Hufenbach koordiniert die Schulung für angehende Pflegeeltern. Das Jugendamt bietet ständigen Kontakt und Begleitung an. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Silke Hufenbach koordiniert die Schulung für angehende Pflegeeltern. Das Jugendamt bietet ständigen Kontakt und Begleitung an. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 05.07.2019
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„Sicher wird vieles gut, aber eben nicht alles – das muss man vorher wissen. Aber es ist trotzdem wundervoll.“ Mit diesem Satz beenden Dieter und Mariella ihren Bericht. Zwei Stunden haben sie den anwesenden Paaren von ihren Erfahrungen mit ihrem Sohn erzählt. Ein Pflegekind, das mit drei Jahren zu ihnen kam und mittlerweile erwachsen ist. Im Stuhlkreis lauschen die Anwesenden den ehrlichen und offenen Erzählungen der beiden. „Die Kinder bringen schon ihr eigenes Päckchen mit in die Familie. Man weiß nicht genau was vorher passiert ist und was die Auswirkungen sein können“, weiß Dieter aus eigener Erfahrung. Oft kommen die Kinder aus schwierigen Ursprungsfamilien, die mit Überforderung oder Alkoholkrankheit der Eltern belastet sind. Durch die sehr persönliche Schilderung – auch der schwierigen Zeiten – bekommen alle Zuhörer ein authentisches Bild der Situation mit einem Pflegekind.


Der Pflegekinderdienst des Märkischen Kreises bietet gemeinsam mit der Ev. Jugendhilfe Menden Schulungen für Paare an, die Pflege- oder Adoptivkinder aufnehmen wollen. „Wir schauen in erster Linie auf die Bedürfnisse der Kinder, nicht der Eltern. Die Situation muss aber für beide passen.“ beschreibt Silke Hufenbach vom Pflegekinderdienst das Vorgehen. Interessierte Paare dürfen sich schon wünschen, ob sie lieber einen Jungen oder Mädchen wollen, aber „die Gründe müssen nachvollziehbar sein. Bei einer Schwangerschaft kann man sich ja auch nichts aussuchen.“ Wenn Kinder an Paare oder in Familien vermittelt werden steht das Jugendamt allen Beteiligten für weitere Einzelberatung zur Verfügung.
Einige der Zuhörer können selbst keine Kinder bekommen, andere wollen einfach Gutes tun. Viele von Coras und Bernds (Namen geändert) Freunden können es nicht verstehen, warum sie ein Pflegekind haben wollen. Im Laufe der Zeit haben sie erfahren, dass es auf dem natürlichen Weg für sie nicht möglich sein wird, Kinder zu bekommen. Schon vor einem Jahr haben sie sich entscheiden diesen Weg zu gehen und ein Pflegekind aufzunehmen: „Wir freuen uns auf jeden Fall wahnsinnig!“


Christiane Finke und Karin Liefländer organisieren für die Ev. Stiftung Jugendhilfe die sechs Treffen in Lüdenscheid: „Es geht uns darum, den Paaren nicht nur theoretische Grundlagen an die Hand zu geben, sondern mit ihnen zu schauen, was sie sich zutrauen. Was bringt das Kind mit und wie kann man Beziehungen gestalten.“ Ein wichtiger Punkt ist auch die Vernetzung unter den Paaren. Dieter und Marielle sprechen darüber, dass sie mit anderen Pflegeeltern oft besser über ihre Situation reden konnten, als mit anderen Freunden.
In der kurzen Pause unterhalten sich einige Paare über die Einrichtung der Kinderzimmer: „Wir haben die Farbe erstmal weggelassen. Wir können ja nicht wissen, was das Kind mag, oder wie alt es sein wird.“ Silke Hufenbach und ihr Team schauen sich auch die häuslichen Gegebenheiten der Pflegeeltern an. Es geht immer um das Wohl des Kindes. „Am Ende ist es wie in jeder Familie: Man muss immer füreinander da sein und wächst gemeinsam“, bringt Mariella es auf den Punkt.
Weitere Infos zum Pflegekinderdienst unter www.maerkischer-kreis.de.

Gemeinsam mit der Evangelischen Stiftung Jugendhilfe Menden führt der Pflegekinderdienst Schulungen für angehende Pflegeeltern durch. Christiane Finke (links) und Karin Liefländer leiten die Veranstaltungen. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Gemeinsam mit der Evangelischen Stiftung Jugendhilfe Menden führt der Pflegekinderdienst Schulungen für angehende Pflegeeltern durch. Christiane Finke (links) und Karin Liefländer leiten die Veranstaltungen. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 05.07.2019