2. Forum für gesundheitliche Versorgung im Märkischen Kreis

Torsten Sauer, Sachgebietsleiter der Gesundheits- und Pflegeplanung des Märkischen Kreises, zog Bilanz zum ersten Jahr. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis
Torsten Sauer, Sachgebietsleiter der Gesundheits- und Pflegeplanung des Märkischen Kreises, zog Bilanz zum ersten Jahr. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 05.07.2019
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Gemeinsam mit der Brancheninitiative Gesundheitswirtschaft Südwestfalen und der Gesellschaft zur Wirtschats- und Strukturförderung (GWS) hatte der Fachdienst Pflege des Märkischen Kreises zu diesem Forum eingeladen. Die Moderation der Veranstaltung, bestehend aus Impulsvorträgen, Diskussion und Arbeitsgruppen übernahm Dr. Vera Gerling von der Brancheninitiative Gesundheitswirtschaft Südwestfalen e.V. Eingeladen waren Vertreter der Krankenhäuser und niedergelassenen Ärzte, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Städte und Gemeinden sowie der Kommunalpolitik und weitere Akteure des Gesundheitswesens. Bereits beim ersten Gesundheitsforum im Juni 2018 hatten sich drei Arbeitsgruppen zu den Themen sektorübergreifende, abgestimmte Gesundheitsversorgung, Fachkräftegewinnung und Telemedizin gebildet und sich unterjährig regelmäßig getroffen. „Das Forum und seine Arbeitsgruppen stellen die zentrale Plattform zum Austausch und zur Vernetzung sowie die Basis für die gemeinsame Entwicklung von Lösungsansätzen dar“, erklärte Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz. Torsten Sauer, Sachgebietsleiter der Gesundheits- und Pflegeplanung des Märkischen Kreises, zog Bilanz zum ersten Jahr, in dem viel Netzwerkarbeit geleistet wurde. Für die Entwicklung konkreter Projektvorhaben sagte er die Unterstützung seines Teams zu. Mit auf den Weg gebracht wurde beispielsweise das Projekt "OptiPartal", das vom REGIONALE-Ausschuss bereits mit dem ersten Stern ausgezeichnet wurde. Es will die medizinische Versorgung von werdenden Müttern verbessern, Hebammen und Gynäkologinnen entlasten und durch den Einsatz digitaler Hilfsmittel Heilberufe attraktiver machen. Sauer strich heraus, dass bei den künftigen Überlegungen der verschiedenen Arbeitsgruppen die Perspektive der Patienten und Selbsthilfegruppen verstärkt mit einzubeziehen sei.
Wie es gelungen ist, ohne jegliche Fördermittel von Bund oder Land das Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe Südwestfalen in Siegen zu gründen, berichtete Arnd Dickel, Pressereferent der DRK-Kinderklinik Siegen. Der Mangel an gut ausgebildeten Altenpflege- und Krankenpflegepersonal hat dazu geführt, dass sich drei Kliniken unterschiedlicher Trägerschaft und Kultur an drei verschiedenen Standorten nämlich die DRK-Kinderklinik Siegen, das Kreisklinikum und die Marien Gesellschaft Siegen zusammengetan haben. „Die Kooperation von kommunalen, konfessionellen und gemeinnützigen Trägern ist richtungsweisend für das ganze Land. Denn nur so können Ressourcen gebündelt werden, um mehr Ausbildungsplätze zu schaffen und attraktive Bildungswege in den Pflege- und Gesundheitsberufen anzubieten“, meint Dickel. Perspektivisch bietet das BIGS in seinem neuen 2.900 m² großen Gebäude mit über 14 Klassenzimmern, einer Bibliothek/Mediathek, einen EDV-Lernraum mit 25 Bildschirmarbeitsplätzen sowie drei Skills-Labs rund 425 Ausbildungsplätze in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und in der Altenpflege an. Auszubildende haben zudem die Möglichkeit, im Rahmen eines dualen Studiums berufsbegleitend in einer Hochschulkooperation mit einer Fernhochschule den Studiengang „Health Care Studies“ mit einem Bachelor of Science (B.Sc.) abzuschließen. Bauherr des rund 8 Mio. Euro teuren Gebäudes ist der DRK Landesverband Westfalen-Lippe.
Am Beispiel des Klinikums Bergmannsheil in Gelsenkirchen zeigte Dr. Dr. Günter Lapsien, Notdienstbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, wie das Modell der Portallpraxis funktioniert. Hier arbeiten der ärztliche Notdienst der Hausärzte und die Notfallaufnahme des Klinikums Hand in Hand. „Der gemeinsame Tresen der Portalpraxis im Klinikgebäude ist der erste Anlaufpunkt. Mit medizinisch geschulten Personal und einer computergestützten, detaillierten Checkliste wird der Patient zum richtigen Arzt gesteuert", erläutert Lapsien. Dabei wird systematisch die Dringlichkeit der Behandlung eingeschätzt und dokumentiert von rot wie sofortige lebensnotwendige Behandlung über orange, gelb bis hin zu grün wie Alltagsbeschwerden und keine unmittelbare Behandlung notwendig. Rund 300 bis 400 vermeintliche „Notfälle“ laufen zwischen 20 bis 22 Uhr in der Portalpraxis auf. „Rund 80 Prozent der Patienten blockieren heute mit Alltagsbeschwerden die Notaufnahme oder die Notfallpraxis“, macht Lapsien ein zunehmendes Problem der Gesundheitsversorgung deutlich.

Zuletzt aktualisiert am: 08.07.2019