Wolf ist im Kreis angekommen

Kreisdirektorin berichtet im Ausschuss

Der Wolf. hier ein ausgestopftes Exemplar bei der Ausstellung 2017 im Lüdenscheider Kreishaus, ist offenbar auch im Kreis zurück. Foto: Ursula Erkens/Märkischer Kreis
Der Wolf. hier ein ausgestopftes Exemplar bei der Ausstellung 2017 im Lüdenscheider Kreishaus, ist offenbar auch im Kreis zurück. Foto: Ursula Erkens/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 25.09.2019
| „Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben. Zurzeit haben wir im Märkischen Kreis aber noch mehr Wolfsberater als Wölfe.“ Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper informierte die Mitglieder im Ausschuss für Abfallwirtschaft, Umweltschutz und Planung über den aktuellen Stand bei den Wolf-Sichtungen in der Region. Dass Isegrim auch im Märkischen Kreis war und vermehrt kommen wird, davon könne man ausgehen. „Allerdings kommt in Deutschland der Luchs sicher noch häufiger vor als der Wolf“, so Dienstel-Kümper. „Biologen erwarten irgendwann sogar die Rückkehr des Bären in unser Land.“ Sie erinnerte an die belegte Wolf-Sichtung am 13. Mai auf der Nordhelle bei Meinerzhagen und an den vermuteten Riss eines Kalbs in Kierspe. Dienstel-Kümper: „Es konnte zwar nicht zweifelsfrei durch eine DNA-Analyse belegt werden, dass es ein Wolf war, aber es ist davon auszugehen.“

233 Wolf-Meldungen seien beim Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW in den Jahren 2017 und 2018 eingegangen. „Das waren sicher nicht alles Wölfe“, so die Kreisdirektorin. Dennoch gehe das Landesamt davon aus, dass sich etwa 600 Tiere in Deutschland aufhalten. In Niedersachsen sei Anzahl der Wolf-Sichtungen in den vergangenen Jahren von 130 auf 3.200 gestiegen. „Und sie vermehren sich munter weiter“, berichtete Dienstel-Kümper. Der Wolf bevorzuge flache Landschaften mit wenigen Straßen und Siedlungen. Deshalb seien das Sauer- und Siegerland eher Durchzuggebiete für die Tiere. Wenn die Jungen aus dem Rudel ausgestoßen werden, müssen sie sich ein eigenes Revier suchen. Dabei legen sie nicht selten mehr als 1.000 Kilometer zurück, was ein Versuch mit einer mit Sendehalsband ausgestatteter Wölfin bewiesen habe.

Die meisten Wolf-Sichtungen in NRW habe es in Ostwestfalen und am Niederrhein gegeben. Vor allem Norddeutschland sei bei den Raubtieren beliebt. Dienstel-Kümper: „Bayern weniger, wegen der Berge.“ Die Nordhelle zwischen Meinerzhagen und Herscheid sowie der Balver Wald: Das sind für die Kreisdirektorin die Gebiete im Märkischen Kreis, in denen es am ehesten zu Wolf-Sichtungen kommen könnte. Die übrige Region sei zu dicht besiedelt und mit zu vielen Straßen durchzogen.

Bei den Landwirten im Kreis steigen die Sorgen um deren Tierbestand. „Sie werden künftig eine Herausforderung haben“, vermutet Dienstel-Kümper. Das Thema Wolf habe auch auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des „Runden Tisches Landwirtschaft“ gestanden. Der Landwirt, dessen Kalb gerissen worden sei, sei dabei gewesen. „Man hat ihm seine Betroffenheit deutlich angesehen.“ Dienstel-Kümper empfahl allen Landwirten das Bereitschaftstelefon beim Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz zu nutzen. „Das ist rund um die Uhr besetzt. Die kennen dort alle Wolfsberater der Region.“ Dienstel-Kümper ließ aber keinen Zweifel daran, dass man künftig mit dem Wolf leben müsse. „Es ist eine streng geschützte Art. Einen Problem-Wolf aus der Natur zu entnehmen, also zu töten, ist nicht so einfach“.

Zuletzt aktualisiert am: 26.09.2019