Standortortung beim Notruf 112 per Smartphone

Wer mit dem Smartphone 112 wählt, kann jetzt schneller geortet werden. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis
Wer mit dem Smartphone 112 wählt, kann jetzt schneller geortet werden. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 10.10.2019
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Im Notfall zählt jede Minute. Da ist es wichtig, den genauen Standort des Hilfesuchenden zu wissen. „Wenn in der Kreisleitstelle ein Notruf über 112 eingeht, fragen unsere Disponenten zuerst nach dem Standort. Falls die Verbindung abbrechen sollte, wissen wir dann zumindest, wohin wir Rettungsdienst oder Feuerwehr schicken müssen,“ erzählt Leitstellenleiter Stephan Volkmann. Bei Anrufen aus dem Festnetz ist die Ermittlung des Einsatzortes kein Problem. Heute gehen aber etwa 73 Prozent der Notrufe über das Mobilfunknetz ein. Oft können die Ersthelfer oder die Hilfesuchenden unterwegs ihren Standort nicht genau beschreiben. Hier bietet Advanced Mobile Location (AML) eine neue Lösung an: Bei Notrufen aus dem Mobilfunknetz wird der genaue Unglücksort automatisch an die Leitstelle übermittelt.
Unter Federführung der Berliner Feuerwehr und der Integrierten Leitstelle Freiburg hat die Leitstelle des Märkischen Kreis seit Mai 2019 mit neun weiteren Leitstellen an einem Pilotprojekt zur bundesweiten Einführung der neuen Technologie teilgenommen. Sie gehört daher zu den ersten Nutznießern der neuen Technik, die von Google und den Mobilfunk-Netzbetreibern Telekom, Telefónica und Vodafon unterstützt wird.
Android Emergency Location Service (ELS), Google’s Ausführung von AML, funktioniert bei allen Smartphones mit Android OS 4.0 (seit 2011) und höher, sofern die Google Play Services installiert sind. Apple wird die Funktion voraussichtlich bis zum Jahresende freischalten, meint Volkmann. Im Märkischen Kreis kommt die Leitstelle bereits auf eine Trefferquote von etwa 50 Prozent. „Wenn die Notrufnummer 112 angewählt wird, werden die Standortdienste im Smartphone automatisch aktiviert. Dafür braucht es keine zusätzliche App“, demonstriert der Leitstellenleiter. Die Daten werden bei Android-Geräten über das mobile Datennetz und kostenlos per SMS über den AML-Endpunkt an die Leitstelle übermittelt. Für Volkmann ist das ein riesiger Fortschritt. „Bisher haben wir uns über Whats App die Standortdaten schicken lassen und mussten den Anrufern häufig erst die Nutzung dieser Funktion erklären“, erzählt Volkmann. Voraussetzung der Standortortung ist allerdings, dass man auch Netz hat. Im sogenannten Limited Service Mode, also wenn der Notruf über Fremdnetze geleitet wird, können nur Sprachnachrichten transportiert werden. Aus Datenschutzgründen werden die übermittelten Standortdaten übrigens eine Stunde nach dem Anruf gelöscht. Datenschutz ist allen Beteiligten wichtig. Google hat ELS so entwickelt, dass die Standortdaten ausschließlich bei der Notrufwahl 112 übermittelt werden können.
Den AML Endpunkt für alle Leitstellen betreibt die Integrierte Leitstelle Freiburg - Breisgau Hochschwarzwald in Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr. Nach ihren Angaben sind derzeit schon ein Drittel der rund 250 Leitstellen in Deutschland an den AML-Endpunkt angebunden und empfängt somit bereits die Standortdaten. Die übrigen Leitstellen werden sich sukzessive in den nächsten Monaten anbinden. Ausführliche Informationen gibt es auf den Webseiten der ILS Freiburg ( https://ils-freiburg.de) oder der Berliner Feuerwehr (https://berliner-feuerwehr.de). Informationen zum Android Emergency Location Service (ELS) gibt es unter: https://crisisresponse.google/els.


 

Bis auf wenige Meter genau übermittelt das Smartphone automatisch den Standort über den AML Endpunkt an die zuständige Leitstelle. Foto: Ulla Erkens/ Märkischer Kreis
Bis auf wenige Meter genau übermittelt das Smartphone automatisch den Standort über den AML Endpunkt an die zuständige Leitstelle. Foto: Ulla Erkens/ Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 10.10.2019