Es fehlen Ärzte für die Substitution Drogenkranker

Bericht im Ausschuss für Gesundheit und Soziales

Verschiedenste Süchte sind auch bei Flüchtlingen ein Problem. 40 Prozent der Migranten sind traumatisiert. Foto: Raffi Derian/Märkischer Kreis
Verschiedenste Süchte sind auch bei Flüchtlingen ein Problem. 40 Prozent der Migranten sind traumatisiert. Foto: Raffi Derian/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 03.03.2017
| Im Märkischen Kreis fehlen Ärzte für die Substitution, das Verabreichen von zumeist Methadon an Drogenkranke. Wie Stefan Tertel, Geschäftsführer der Anonymen Drogenberatung e.V. Iserlohn (DROBS), im Ausschuss für Gesundheit und Soziales des Märkischen Kreises mitteilte, kommen etwa 236 Substituierte auf einen Arzt oder eine Ärztin. Tertel: „Der Bedarf an Medizinern ist viel höher.“

Die Drogenkranken könnten sich an drei Kliniken sowie zwei Arztpraxen im Märkischen Kreis wenden. Tertel: „17 Ärzte dürften substituieren, zehn machen es.“ „Es gibt eine Schieflage zwischen dem nördlichen und dem südlichen Kreis“, ergänzte Ausschussvorsitzender Ulrich Duffe (SPD). Das liege auch an der „Werkstatt im Hinterhof“ in Iserlohn, die mit ihrem niederschwelligen Angebot Anlaufstelle für die Drogenabhängigen sei. Eine vergleichbare Einrichtung gibt es im Südkreis nicht, sie ist aber aus Sicht der Ausschussmitglieder wünschenswert. Rebekka Rollmann, Substitutionsfachkraft bei der DROBS, gab einen Einblick in die psychosoziale Betreuung der Abhängigen. An den Standorten Iserlohn, Lüdenscheid und Werdohl gebe es 230 Plätze. Rollmann: „100 Personen müssen in umliegende Städte ausweichen.“

Einen Einblick in die Arbeit der Suchtberatungsstellen, getragen von der Diakonie, der Caritas sowie dem Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg, gab Heidrun Schulz-Rabenschlag. Die acht Berater erreichten im vergangenen Jahr insgesamt 1.649 Menschen mit verschiedensten Süchten. Eine zunehmende Aufgabe sei das Thema Migranten. Schulz-Rabenschlag: „Etwa 40 Prozent der Flüchtlinge sind traumatisiert. Sie sind besonders gefährdet, süchtig zu werden.“ Oft seien es Angehörige von Abhängigen, die hilfesuchend in die Beratungsstellen kommen.

2.793 Schuleingangsuntersuchungen machten die neun Ärztinnen und ihre 16 Assistenzkräfte des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes des Kreises im vergangenen Jahr. Hinzu kamen 3.429 medizinische Checks bei Kindergartenkindern. Diese Bilanz stellten Andrea Götz und Isabell Ambrosius vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst den Gesundheits- und Sozialpolitikern vor. Beide Untersuchungsbereiche bauen aufeinander auf, so Andrea Götz. So könne die gesundheitliche Entwicklung der Jungen und Mädchen über einen bestimmten Zeitablauf beurteilt werden.

30 Beschwerden hatte die WTG-Behörde des Märkischen Kreises in den Jahren 2015 und 2016 zu bearbeiten. Das geht aus dem Bericht hervor, der den Ausschussmitgliedern vorgelegt wurden. Die WTG-Behörde (früher Heimaufsicht) ist zuständig für die Durchführung von Qualitäts-prüfungen der Wohn- und Betreuungsangebote, die von Älteren, Pflegebedürftigen oder Menschen mit Behinderung genutzt werden. Dazu gehören Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Gasteinrichtungen (Tagespflege, Hospize, Kurzzeitpflege) und besondere Wohnformen (z.B. ambulant betreute Wohngemeinschaften).

Die meisten Beschwerden wurden von Angehörigen vorgetragen. In den Jahren 2015 und 2016 wurden 76 bzw. 73 vollstationäre Einrichtungen überprüft, was einer Quote von rund 90 Prozent entspricht. Dabei wurden nur fünf gravierende Mängel festgestellt, die zu einem Anhörungsverfahren führten. In zwei Fällen musste in Absprache mit den Einrichtungen ein befristeter Aufnahmestopp angeordnet werden.

Welche Auswirkungen die Schließung des St. Vinzenz-Krankenhauses in Altena auf die Krankenhausversorgung im Märkischen Kreis hat, konnte die Verwaltung auf Anfrage der Fraktion Die Linke noch nicht prognostizieren. Wie Fachbereichsleiter Volker Schmidt im Ausschuss mitteilte, verfügte das Hospital in Altena über 87 Betten. Die Landesplanung sehe für den Kreis einen Abbau von 253 chirurgischen Betten von 867 auf 614 vor, sowie 51 zusätzliche Betten (von 929 auf 980) in der Inneren-Medizin. Schmidt: „Landesweit werden 10.000 Betten abgebaut.“ Die Notarztversorgung in Altena werde derzeit über die Notarztbörse gewährleistet. Der jeweilige Notarzt habe seinen Sitz in der Feuer- und Rettungswache.

Zuletzt aktualisiert am: 03.03.2017