Wer hat Angst vor dem bösen Wolf? - Sonderausstellung "Wolf & Mensch" im Lüdenscheider Kreishaus

Sonderausstellung "Wolf & Mensch" im Lüdenscheider Kreishaus

Ralf Uschner, Landrat Thomas Gemke und Landrat Christian Heinrich-Jaschinski eröffneten die Ausstellung "Wolf & Mensch" im Lüdenscheider Kreishaus. Foto Ulla Erkens/Märkischer Kreis
Ralf Uschner, Landrat Thomas Gemke und Landrat Christian Heinrich-Jaschinski eröffneten die Ausstellung "Wolf & Mensch" im Lüdenscheider Kreishaus. Foto Ulla Erkens/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 05.05.2017
Mikrofonverstärkt ließ Landrat Thomas Gemke am Donnerstag die Wölfe heulen, um sich die nötige Aufmerksamkeit für die Eröffnung der Sonderausstellung „Wolf & Mensch – Auf Spurensuche in Brandenburg“ im Lüdenscheider Kreishaus zu sichern. Die Wanderausstellung, die der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Elbe-Elster erstellt hat, zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung Wölfe in der Sagen- und Märchenwelt hatten, wie erbarmungslos sie gejagt und ausgerottet wurden und wie Wölfe heute leben.
„Kein anderes Wildtier polarisiert so wie der Wolf“, sagte Gemke und räumte ein, dass auch er zunächst einer Wiederansiedlung des unter Schutz stehenden Wolfes in Deutschland skeptisch begegnet sei: „Der Wolf ist ein Fleischfresser, der 2 bis 5 Kilogramm Fleisch pro Tag verschlingt“, gab er scherzhaft zu bedenken. Doch sein Amtskollege Landrat Christian Heinrich-Jaschinski aus dem Partnerkreis Elbe-Elster, seines Zeichens bekennender Freund des Wolfes, konnte ihn wohl soweit überzeugen, dem Thema "vorurteilsfrei" gegenüber zu treten. Heinrich-Jaschinski und Ralf Uschner vom Kreismuseum Bad Liebenwerda ist es auch zu verdanken, dass die Wanderausstellung im 25. Jubiläumsjahr der beiden Partnerkreise bis zum 19. Juni im Foyer des Lüdenscheider Kreishauses zu besichtigen ist.
Während sich Wölfe in Nordrhein-Westfalen bisher noch selten blicken lassen, wurden sie seit 2007 in Brandenburg und somit auch im Landkreis Elbe-Elster erfolgreich angesiedelt. Nach dem aktuellen Monitoring (Wolfsjahr 2016/2017) leben im Land Brandenburg 21 Wolfsrudel und 2 Paare. „Man merkt sie kaum“, beschwichtigte Ralf Uschner alle, die Angst haben vor dem bösen Wolf. Er beschrieb den Wolf in seiner Themeneinführung als menschenscheues Tier. Ein gesundes Tier würde niemals einen Menschen angreifen, denn der Mensch gehört nicht zum Beutespektrum des Wolfs. Um ein gutes Miteinander zwischen Mensch, Landwirtschaft und Wolf sicherzustellen, bedürfe es allerdings eines guten Wolfsmanagements, das aufklärt und Landwirten sowie Schafs- und Ziegenhirten effektive Schutzmaßnahmen aufzeigt. Das Hauptaugenmerk der Ausstellung liegt aber auf der Kulturgeschichte des Wolfes. Die Angst ums Vieh führte bereits im Mittelalter dazu, dass Wölfe schonungslos gejagt wurden. In Märchen und Fabeln wurde der Wolf daher oft als böses Tier charakterisiert, der dem Menschen Angst einflößt und Leid antut sowie mit Eigenschaften wie Gier und Bosheit ausgestattet ist. Andererseits gibt es auch in Mythologie und Literatur positive Beispiele wie in der Legende über die Gründung Roms, in der die Gründer Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt werden, oder im "Dschungelbuch" wo das Wolfsrudel als fürsorgliche Familie dargestellt wird. Die Ausstellung bietet somit viel Diskussionsstoff für alle Natur- und Tierliebhaber.

Zuletzt aktualisiert am: 05.05.2017