Blickpunkt Adoption

Adoptionen werden durch das Familiengericht ausgesprochen. Foto: Raffi Derian/Märkischer Kreis
Adoptionen werden durch das Familiengericht ausgesprochen. Foto: Raffi Derian/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 14.03.2018

Um es vorweg zu nehmen: Adoptionen sind eher die Ausnahme als die Regel. Für eine weit größere Anzahl von Kindern werden aber Pflegeeltern gesucht. Im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes hat es bis 2017 gut 20 Jahre keine Fremdadoption gegeben, berichten die Ansprechpartnerinnen  im Kreisjugendamt, Ute Flörke und Patrycja Chyb. Erfolgreich bearbeitet wurden ausschließlich Stiefeltern – und Verwandtenadoptionen. 2017 wurden sieben Stiefelternadoptionen abgeschlossen, aktuell laufen noch sechs weitere Verfahren.


Seit 2015 verzeichnen die Adoptionsvermittlung und der Pflegekinderdienst des Märkischen Kreises erstmals wieder vier aussichtsreiche Fremdadoptionsfälle. Bei zwei Verfahren hat das Familiengericht 2017 bereits zugestimmt. In zwei weiteren Fällen liegen Adoptionsfreigaben vor. Sie können voraussichtlich 2018 mit Adoptionsbeschluss abgeschlossen werden. Zwei Mütter hatten bereits in der Schwangerschaft signalisiert, dass sie ihre Kinder zur Adoption frei geben wollen. Generell müssen bei einer Adoption beide leiblichen Eltern zustimmen.


Wenn es keine realistische Chance gibt, dass die Herkunftsfamilie jemals in der Lage sein wird, das Kind verlässlich zu versorgen und zu erziehen, ist das Kreisjugendamt gesetzlich verpflichtet zu prüfen, ob eine Adoption möglich ist. Im Vorfeld sind intensive Beratungsgespräche mit den leiblichen Eltern notwendig. „Wir beschwatzen keinen, wir bleiben dran“, sagt die Jugendamtsmitarbeiterin Ute Flörke. Sie weiß wie emotionsgeladen und hochsensibel das Thema ist. Insbesondere die Mütter scheuen sich davor, die Rechte an ihrem Kind für immer abzugeben. 


Wer ein Kind adoptieren oder in Pflege nehmen möchte, meldet sich bei der zuständigen Adoptionsvermittlungsstelle oder Pflegekindedienst. Für Balve, Halver, Herscheid, Kierspe, Meinerzhagen, Nachrodt-Wiblingwerde, Neuenrade und Schalksmühle ist dies das Jugendamt des Märkischen Kreises. 122 Kinder leben im Zuständigkeitsgebiet des Kreises in Pflegefamilien. „Die Entscheidung, ein fremdes Kind aufzunehmen, sollte gut durchdacht sein. Schließlich bestimmt das Kind die nächsten 15 bis 20 Jahre das Familienleben entscheidend mit“, macht Ute Flörke die Tragweite deutlich. Um die Eignung von künftigen Pflege- oder Adoptionsfamilien zu ermitteln, werden die Interessenten zu einem kostenlosen Vorbereitungskurs und intensiven Beratungsgesprächen eingeladen.  Zum Pflichtprogramm gehören ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis. Auch den finanziellen Hintergrund müssen die künftigen Adoptiv- oder Pflegeeltern offenlegen. Bei einem Hausbesuch überzeugt sich eine Jugendamtsmitarbeiterin von der Wohnsituation der Familie. Für das Kind soll ein eigenes Zimmer zur Verfügung stehen.


Im Unterschied zu Adoptiveltern erhalten Pflegeeltern je nach Alter des Kindes eine finanzielle Unterstützung für Unterhalt und Erziehung. Ein Vormund übt das Sorgerecht aus. Die Kinder sind nicht erbberechtigt. Den leiblichen Eltern steht ein Besuchsrecht zu.


Adoptiveltern haben das volle Sorgerecht und sind unterhaltspflichtig. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zu den leiblichen Eltern sind beendet. Das Kind ist erbberechtigt. Nach rechtlicher Vorgabe können Eltern beziehungsweise alleinerziehende Mütter acht Wochen nach der Geburt ein Kind zur Adoption freigeben. Der Gesetzgeber berücksichtigt dabei die Stimmungsschwankungen aufgrund hormoneller Umstellung während Schwangerschaft und Geburt. Nicht selten entwickeln Mütter doch noch eine Beziehung zu ihren leiblichen Kindern. Oder es werden ihnen vom Jugendamt Hilfen und Perspektiven aufgezeigt, wie es auf Dauer doch gelingen kann, ein Kind aufzuziehen. 


Während der acht Wochen kümmert sich in der Regel die Bereitschaftspflege um den Säugling. Die Adoptivpflege beträgt bei Babys mindestens ein Jahr, bis die Adoption abgeschlossen ist. Wenn nur ein Elternteil der Adoption zugestimmt hat, kann sich der Entscheidungsfindungsprozess über Jahre ziehen. Bei einer Adoption ist die Entscheidung nicht rückholbar. Es gibt verschiedene Arten der Adoption. Bei der Inkognito-Adoption wissen die leiblichen Eltern nicht, wer das Kind adoptiert hat und wo es aufwächst. Bei der halboffenen Adoption lernen die leiblichen Eltern die Adoptiveltern kennen und es können Vereinbarungen getroffen werden. Beispielseise können die Adoptiveltern schriftlich über den Entwicklungsstand berichten und Fotos zusenden. Die Kontakte laufen ausschließlich über das Jugendamt. Bei der Erwachsenenadoption ist keine Zustimmung der leiblichen Eltern mehr notwendig. Sie schützt Pflegekinder vor eventuellen rechtlichen und finanziellen Verpflichtungen den leiblichen Eltern gegenüber.


Weitere Informationen zum Thema Adoption oder Pflegefamilie sind bei der Adoptionsvermittlung des Märkischen Kreises erhältlich unter Telefon 02351 966-6656 oder – 6911.


 

Zuletzt aktualisiert am: 14.03.2018